Ein echter Use Case aus der Praxis
Der Ausgangspunkt war ein Shopware-System, das bereits im Einsatz war und von einem externen Dienstleister betreut wurde. Die Shopware-Installation war stark erweitert worden, unter anderem durch kostenpflichtige Extensions, individuelle Layout-Anpassungen und eine veränderte Datenstruktur. Zwar funktionierte der tägliche Betrieb grundsätzlich gut, doch die Artikelpflege stellte sich zunehmend als echte Herausforderung dar.
Artikel wurden manuell in Shopware aktualisiert. Neue Artikel konnten hinzugefügt, bestehende aktualisiert werden, jedoch fehlte ein Mechanismus, um veraltete oder nicht mehr verfügbare Artikel aus dem Shop zu entfernen. Die Pflege war aufwändig, fehleranfällig und oft zeitverzögert.
Mit der geplanten Umstellung auf Sage 100 als neues zentrales ERP-System verfolgte der Kunde ein klares Ziel: Alle Produktdaten, Preise, Varianten und Kundeninformationen sollten künftig ausschließlich in Sage gepflegt werden. Von dort aus sollten sie automatisiert in Shopware zur Verfügung stehen, ohne manuelle Eingriffe, Importe oder Doppelerfassungen. Die zentrale Datenhaltung in Sage war die oberste Intention.
Zusätzlich zur zentralen Pflege verlangte der Kunde einige spezifische Funktionalitäten, die im Lastenheft festgehalten waren. Dazu gehörten unter anderem ein individuell konfigurierbarer Produkltkonfigurator, Cross-Selling-Funktionen, die Anzeige verwandter Produkte, ein Kundenlogin-Bereich mit Zugriff auf Bestell-Historien, Angebote, Rechnungen und Sendungsverfolgung sowie die Abbildung kundenindividueller Preise. Der Shop sollte zudem mehrsprachig nutzbar sein und selbstverständlich alle aktuellen Datenschutzrichtlinien (DSGVO) erfüllen.
Die Lösung: Integration mit Konzept
Nach einer intensiven Anforderungsanalyse entwickelten wir gemeinsam mit unserem Partner Kühn & Hertel eine Strategie, wie sich alle relevanten Shop-Daten direkt aus Sage 100 bereitstellen lassen. Unsere Erfahrung aus vorherigen Integrationsprojekten kam uns hier deutlich zugute.
Technisch wurde ein dedizierter Sage-Connector auf dem Applikationsserver implementiert. Dieser befindet sich physisch und logisch nah am “Sage-System” und stellt die Verbindung über die Sage COM-API sowie direkte Datenbankzugriffe her. Eine vorgeschaltete Abstraktionsschicht übernimmt das Management der verschiedenen Datenzugriffe und sorgt für ein konsistentes Datenmapping zwischen Sage und Shopware. Dabei werden notwendige Konvertierungen vorgenommen, wie zum Beispiel bei Datumsformaten oder Währungscodes.
Die Businesslogik-Schicht der Middleware übernimmt alle fachlichen Prüfungen und Regeln. Dazu gehört unter anderem die Entscheidung, ob ein Artikel überhaupt synchronisiert werden soll (z. B. nur aktive Artikel), ob Lagerbestände ausreichen, welche Kundenpreise gelten oder wie bestimmte Steuerlogiken angewendet werden müssen. Diese Schicht ist modular aufgebaut und lässt sich für künftige Anforderungen leicht erweitern.

Ein speziell entwickelter Product-Sync-Service sorgt dafür, dass Produktdaten aus Sage in festgelegten Intervallen abgeglichen werden. Dabei können sowohl Änderungen (Delta-Sync) als auch Komplettabgleiche durchgeführt werden. Artikel- und Variantenstrukturen werden in das Datenmodell von Shopware übersetzt, Preise, Bestände, Medien, Kategorien und Tags automatisch zugewiesen. Die Daten werden per API an Shopware gesendet, inklusive der Bilddateien und verknüpften Medien.
Für die Synchronisation in die andere Richtung ist ein Order-Sync-Service zuständig. Er überwacht Shopware kontinuierlich auf neue Bestellungen, kann diese über Webhooks oder zeitgesteuerte Abfragen erfassen, validiert und transformiert sie und übergibt sie über die Businesslogik-Schicht an das Sage-System. Fehler, Statusinformationen und Rückmeldungen werden zentral gespeichert und sind über ein Admin-Interface nachvollziehbar.
Die Kommunikation zwischen Shopware und unserer Middleware erfolgt über ein API-Gateway, das für Autorisierung, Rate-Limiting und Logging sorgt. Die Architektur ist bewusst auf Erweiterbarkeit, Sicherheit und Performance ausgelegt.
Ein besonderer Vorteil ergibt sich durch den Einsatz von Shopware 6 mit seiner Headless-Architektur. Dadurch war es nicht notwendig, weitere Plugins im Shopware-Backend zu installieren. Alle Anforderungen konnten direkt im Frontend umgesetzt werden, ohne auf Drittanbieter-Erweiterungen zurückgreifen zu müssen. Das spart nicht nur Lizenzkosten, sondern reduziert auch die Angriffsfläche und vereinfacht die Wartung.
Erfahrungswerte und Fazit
Die individuelle Integration brachte einige klare Vorteile mit sich. Wir hatten volle Kontrolle über den Datenfluss zwischen ERP und Shop. Welche Felder wie übertragen, transformiert oder gefiltert werden sollten, lag komplett in unserer Hand. So konnten wir auch komplexe Sonderfälle abbilden, wie etwa die Steuerlogik nach Land oder Kundentyp oder kundenindividuelle Preislisten.
Weil die gesamte Datenlogik serverseitig unter eigener Kontrolle blieb, konnten wir die Performance optimieren und das System auf die Verarbeitung großer Datenmengen auslegen. Selbst Szenarien mit mehr als 100.000 Artikeln lassen sich somit performant abbilden. Auch beim Thema Datenschutz gab es keine Kompromisse. Da alle Daten im eigenen Hosting verarbeitet wurden, konnten interne und kundenspezifische Compliance-Vorgaben problemlos eingehalten werden.
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